21 August 2018

Nutzertests in nutzer-orientierten digitalen Projekten - Drei typische Methoden

Benutzertests sind ein fundamentaler Teil von UX und Service Design, denn sie geben uns Auskunft darüber, wer die Nutzer sind, in welchem Kontext sie das Produkt oder den Service nutzen werden und was die Ziele sind, die sie bei der Nutzung verfolgen. Sollen positive Nutzererfahrungen erreicht werden, ist die Wichtigkeit dieser Tests nicht zu überschätzen..

Es gibt viele verschiedene Methoden, um Designideen zu testen und zu validieren. Einige der populärsten sind Usability Testing, A/B Testing und Befragungen. In diesem Beitrag beleuchten wir einige davon im Detail, untersuchen, wann sie sinnvoll sind und wie sie genau ablaufen.

1. Usability Testing

Usability Testing bezeichnet den Prozess, einen Benutzer dabei zu beobachten, während er das Produkt oder den Service verwendet, um herauszufinden ob es in der Tat benutzbar ist. Es ist der beste Weg, um zu verstehen, wie Benutzer ein Produkt wie eine Website oder eine App erleben. Es gibt zwei Arten von Usability Testing: moderiert und unmoderiert.

Moderiertes Usability Testing

Moderiertes Usability Testing kann entweder persönlich oder remote durchgeführt werden - in beiden Fällen ist der Moderator aber anwesend, währen der Benutzer testet. Der Moderator stellt Aufgaben und gibt gegebenenfalls Hinweise, fragt bei Unklarheiten nach und beantwortet Fragen des Benutzers.

Diese Art von Test empfiehlt sich in jeder Phase eines Projekts, beginnend ganz am Anfang. Es können simple Papier-Prototypen (um z.B. initiale Wireframes zu erstellen) bis hin zu voll funktionalen und ausprogrammierten Interfaces (um z.B. Funktionalität zu finalisieren) verwendet werden.

Die Herausforderung für den Moderator besteht in dieser Art von Nutzerforschung darin, den Tester zu führen, ihm aber nicht direkt zu helfen - eine gewisse Gratwanderung, doch wenn sie gelingt, kann die Beobachtung des Testers sehr wertvolle Hinweise geben.

Hier ist ein Beispiel für einen moderierten Usability Test von usertesting.com:

Unmoderiertes Remote Usability Testing (URUT)

Unmoderiertes Remote Usability Testing (URUT) ist eine Technik, die dabei hilft, die Nachteile des moderierten Testens zu kompensieren. Denn während moderiertes Testing sehr hilfreich ist, so leidet es doch unter der Tatsache, dass es sehr zeitaufwändig ist, sehr viel Aufwand für die Beschaffung von Testpersonen bedeutet und demzufolge bei vielen Probanden auch sehr kostenintensiv ist. Dazu kommt der Hawthorne Effekt, der beschreibt, wie sich Testergebnisse allein dadurch verändern, dass sich Testpersonen in einer beobachteten Testsituation wiederfinden.

Der Vorteil von URUT ist, dass es schnelle, robuste und kostengünstigere Testergebnisse liefert - durch den Einsatz von Testing Tools, die Benutzerfeedback automatisch sammeln und Benutzerverhalten aufzeichnen. 

URUT empfiehlt sich, wenn man sehr präzise Fragestellungen zu einfachen Interaktionen von Benutzern hat und wenn eine größere Zahl von Tests gewünscht wird, z.B. um Kernergebnisse von initialen moderierten Benutzertests zu validieren. Es misst häufig die Zufriedenheit (oder Unzufriedenheit) von Benutzern mit einem Interface und der Funktionalität eines Produkts oder Services.

Sowohl bei moderierten als auch bei unmoderierten Usability Tests ist es eine gute Idee, einen initialen Fragebogen und ein Kurzinterview nach Testabschluss zu verwenden, um zusätzlich auch mehr qualitative Informationen zu erhalten.

Hier ist ein Beispiel für einen unmoderierten Usability Test, wieder von usertesting.com:

2. A/B Testing

A/B Testing wird idealerweise verwendet, wenn sich die Designer nicht sicher sind, welche von zwei oder mehr möglichen Varianten eines Interfaces besser funktionieren werden. Die Methode besteht daraus, eine von mehreren Varianten nach Zufallsprinzip einer identischen Zahl von Nutzern zu zeigen und dann aus Analytics-Daten zu ermitteln, welche Variante eine höhere Zielerreichung (z.B. Klicks auf einen Button) bietet. 

Diese Testmethode wird häufig verwendet, um ein verändertes Interface mit einer bestehenden Version zu vergleichen oder iterativ kleine Optimierungen vorzunehmen. A/B Testing muss also nicht immer nur zwei Varianten testen, sondern kann auch mit mehreren gleichzeitig oder sukzessive zum Einsatz kommen.

Hier ist ein Beispiel für einen A/B Test:

3. Befragungen

Befragungen sind ein einfacher Weg, um eine große Menge an Information über Nutzerbedürfnisse und -Probleme zu beschaffen - mit minimalem Zeitaufwand. 

Ob das bestehende Usability Testing ergänzt werden soll, ob Sie mehr über Ihre Zielgruppe herausfinden wollen, oder ob Sie ganz andere Ziele verfolgen - mit ein wenig Kreativität sind Ihre Optionen fast unbegrenzt.

Der Hauptvorteil dieser Methode ist ihre Fähigkeit, quantitativ belastbare Daten zur allgemeinen Nutzerzufriedenheit oder zur Unterstützung von Ergebnissen aus der oben genannten qualitativen Forschung zu liefern. Wichtig ist es aber, in Erinnerung zu behalten, dass echtes Nutzerverhalten mit Umfragen nicht erforscht werden kann - dazu braucht es die oben genannten qualitativen Methoden. 

Fragen richtig zu stellen und das richtige Zielpublikum auszuwählen sind die Geheimnisse erfolgreicher Befragungen - und das kann ziemlich aufwändig sein. Populäre und kosteneffektive Tools zur Durchführung von Umfragen sind SurveyMonkey oder Google Forms. 

Wie entscheide ich, was die beste Methode für mein Projekt ist?

Die passende Methode hängt von den speziellen Zielen der Nutzerforschung ab. Die meisten Forschungsprojekte werden aber auf einen Mix aus verschiedenen Methoden zurückgreifen. Sehr typisch ist eine Kombination aus qualitativen Methoden wie moderierten Usability Tests mit quantitativen Techniken wie A/B-Tests und Befragungen. Mit einem solchen Mix erhält man in einem Testing-Projekt sowohl unerwartete Einsichten als auch eine gewisse Sicherheit über den erfolgreichen Weg der Umsetzung.

Das beste Format hängt vom Produkt oder Service ab, der getestet werden soll, davon, was die eigentlichen Fragestellungen sind und natürlich auch von der verfügbaren Zeit un dem Budget.

Sie brauchen Hilfe beim Design?

Kontaktieren Sie uns und wir melden uns superschnell bei Ihnen!

Kontaktieren Sie uns